Wenn der Chef Bäume pflanzt

Der Transportunternehmer René Große-Vehne hat wie andere in der Branche ein Riesenproblem: Das Geschäftsmodell schadet dem Klima. Sein Beispiel zeigt aber auch, wie sich das mit Mut zum Wandel ändern lässt

Speditionsunternehmer wie René Große-Vehne stecken in einem Dilemma. Einerseits sind ihre Dienste gefragter denn je, immer mehr Waren werden auf der Straße transportiert. Auf der anderen Seiteschaden sie dem Klima. Und das lässt sich beim jetzigen Stand der Technologie auch nicht einfach ändern. Ein moderner Lkw verbraucht auf hundert Kilometern knapp 30 Liter Diesel und setzt 80 Kilogramm CO2 frei. Zum Vergleich: Ein Diesel-Auto kommt bei einem Verbrauch von fünf Litern auf gut 16 Kilogramm. Eine andere Lösung musste her. Das stand für Chef der Spedition in Kornwestheim bei Stuttgart fest. „Ich glaube aber nicht, dass wir wieder auf Pferdefuhrwerke umsteigen werden“, sagt der 45-Jährige mit ironischem Unterton. Er hat ein anderes Konzept entwickelt: Seit knapp zwei Jahren wirtschaftet die Spedition trotz Diesel im Tank klimaneutral. Alle CO2-Emissionen werden mit Hilfe von Bäumen kompensiert. Von so manchem Konkurrenten werde er dafür belächelt, sagt er. Einige wiederum seien interessiert und wollten genau wissen, wie das funktioniert. Große-Vehne, 45, ist ein groß gewachsener Mann, Typ Bilderbuchmanager. Die blonden Haare und der dunkle Anzug sitzen perfekt, die Umgangsformen sind geschliffen. Manchmal sagt er Sätze wie „wir müssen in Lösungen denken, nicht in Problemen“ oder „ich muss immer einen Plan B in der Schublade haben“ – Sätze wie aus einem Handbuch für Manager.

Die Spedition, die er seit einigen Jahren leitet, haben seine Eltern 1974 gegründet und aufgebaut. Heute beschäftigt die Firma an sieben Standorten im In- und Ausland 2200 Mitarbeiter, hat mehr als tausend eigene Lkw auf der Straße. Umsatz: rund 250 Millionen Euro. Große-Vehne gehört damit zu den großen Mittelständlern in der Branche. Hauptkunden sind Automobilhersteller, aber auch Paketdienste, Textilfirmen und Getränkelieferanten. Der Eindruck vom unnahbaren Chef verflüchtigt sich rasch, wenn man mit ihm durch den Betrieb geht. Die Atmosphäre wirkt ungezwungen. Große-Vehne kennt die Mitarbeiter am Firmensitz in Kornwestheim und sie ihn. Er weiß, wie es ihren Kindern geht und manchmal auch, wo es zu hause nicht so gut läuft. Immer wieder bleibt er stehen und wechselt ein paar Worte mit Lagerarbeitern oder mit den Fahrern, die draußen auf dem Hof auf ihre Ladung warten. Gibt es was zu klären, macht er das am liebsten an Ort und Stelle. „Es hilft, wenn die Mitarbeiter wissen, der Chef hat auch schon im Lager gearbeitet“, meint er. Dass er anpacken kann, das wissen sie in der Firma. Sein Vater habe ihn nicht geschont, erzählt er. Schon in der Schulzeit besserte er in den Ferien sein Taschengeld mit Be- und Entladen von Lkw und anderen Arbeiten auf. Tage, die morgens um halb vier begannen und abends um neun endeten. Mit 18 machte er den Führerschein und übernahm erste Touren. Zu dieser Zeit habe er begriffen, wie brutal das Transportgeschäft sei, sagt er. In die Firma einzusteigen sei deshalb für ihn erst einmal nicht in Frage gekommen. Stattdessen lernte er Industriekaufmann bei Daimler. Später ging er zum Studium nach Münster – und fand dort wieder zu seinen Wurzeln. „Da habe ich gemerkt, wie verwachsen ich mit dem Ganzen bin.“ Er entschloss sich nicht nur, in den Betriebe in zu steigen, er wollte ihn auch nachhaltiger gestalten.

Lesen Sie mehr